Karine Tuil: Diese eine Entscheidung

Rezension von Carola Nikschick in der Kategorie Buchtipps

„Es ist unmöglich zu überprüfen, welche Entscheidung die richtige ist, weil es keine Vergleiche gibt. Man erlebt alles unmittelbar, zum ersten Mal und ohne Vorbereitung.“ Milan Kundera

Alma Revel ist Ermittlungsrichterin in der Abteilung für Terrorismusbekämpfung im Pariser Justizpalast. Sie ermittelt gerade gegen einen jungen Franzosen und seine Frau, die, als sie aus Syrien wieder nach Frankreich einreisen wollen, unter dem Verdacht, einen Terroranschlag zu planen, festgenommen wurden. Von Almas Arbeit und Entscheidung hängt sowohl das Leben des Verdächtigen als auch das vieler anderer Menschen ab, und nicht zuletzt die Sicherheit ihres Landes.
Aber was ist die richtige Entscheidung? Die Opfer wollen Gerechtigkeit. Die Täter müssen zweifelsfrei überführt sein. Der Staat will seinen Bürgern Sicherheit garantieren. Jede Entscheidung ein Risiko.
Aber Alma ist auch Ehefrau und Mutter. Ihrer Ehe steckt schon lange in einer Krise. Sie hat ausgerechnet mit dem Anwalt des Verdächtigen eine Affäre. Die täglichen Drohungen, die ständige Konfrontation mit Gewalt, ein Leben unter Personenschutz, all das belastet sie und beeinflusst ihr Denken und Handeln. Alma weiß, sie muss auch hier Entscheidungen treffen, die für andere Menschen Konsequenzen haben.
Schon gleich zu Anfang erfahren wir, Alma hat eine falsche Entscheidung getroffen.
„Vor drei Monaten habe ich im Rahmen meiner Tätigkeit eine Entscheidung getroffen, die ich für richtig hielt, die jedoch dramatische Konsequenzen hatte. Für mich und für meine Familie. Für mein Land.“
Karine Tuil schafft es diesen Konflikt, in dem Alma beruflich und privat steckt, sehr intensiv zu beschreiben. Die Angst eine falsche Entscheidung zu treffen, von der das Leben eines oder vieler Menschen abhängt, kann ich nur erahnen. Die Auseinandersetzung und der Umgang mit Terrorismus, die Gefahr und Bedrohung für die Demokratie auf der Welt sind, wie wir erleben, ein sehr komplexes Thema und das macht die Geschichte nicht nur spannend, mich hat sie bis heute nicht losgelassen.
Wie weit gehen wir bei unseren Entscheidungen und was sind wir bereit zu opfern? Mit welchen Konsequenzen können wir leben?

Übersetzt aus dem Französischen Maja Ueberle-Pfaff

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