Hanna Heim „Hofsommer“

Rezension von Carola Nikschick in der Kategorie Buchtipps

In „Hofsommer“ erzählt Hanna Heim auf eine empathische Art und Weise eine sehr berührende Geschichte, die sich den großen Fragen, wie wollen wir leben und wie wollen wir sterben, widmet.

Als Doreen bei einem Telefonanruf von ihrer Mutter erfährt, dass ihre geliebten Großeltern gemeinsam sterben möchten, hat sie nur einen Gedanken … „Un-un-un-unmöglich.“
Doreen lebt mit Mann und Kindern in München, und hat sich ein eigenes Leben aufgebaut. Die Sehnsucht nach Fallera und ihren Großeltern ist geblieben. Es ist klar, sie muss zu ihnen, muss ihnen dieses Vorhaben ausreden, beweisen, dass das Leben sich lohnt, dass sie Doreen, nicht ohne sie sein kann. Sie braucht sie doch. Aber als sie bei ihren Großeltern ankommt, erklären ihr die beiden, dass sie keine Kraft mehr haben, dass alles geregelt ist und Doreen den Pferdehof in Fallera erben wird. Jetzt brauchen sie nur noch die Hilfe ihrer Tochter und Enkelin, um diesen letzten Schritt im Leben gemeinsam gehen zu können.
Aus verschiedenen Perspektiven blicken wir auf das Leben der Großeltern. Sie haben sich ganz jung kennengelernt, sich ein Leben im Osten der Republik aufgebaut, die Wende erlebt – es war nicht immer leicht, aber ihre Liebe zueinander hat sie getragen. Jetzt sind sie alt, Maria ist schon lange schwer krank, hat keine Kraft mehr. Sie möchte friedlich und selbstbestimmt von dieser Welt gehen. Und Helmut, ihr Mann, will sie nicht alleine gehen lassen.
Sehr einfühlsam beschreibt Hanna Heim, wie sich alle mit dieser Situation auseinandersetzen. Sie schafft besondere Sprachbilder, die die Verzweiflung und Wut, die Angst, einen geliebten Menschen gehen zu lassen, und die Liebe zueinander spürbar machen und eine intensive und lebendige Atmosphäre entstehen lassen.
Hanna Heim verarbeitet in „Hofsommer“ den gemeinsamen Tod ihrer Großeltern, ein Thema, das in unserer Gesellschaft kaum zur Sprache kommt – selbstbestimmt und in Würde von dieser Welt gehen zu können – „begleiteter Suizid“.

Und es sind große Themen, wie Abschied und Verlust, Erinnerungen, Familienbande und Heimat, die Hanna Heim hier miteinander zu einer unvergesslichen Geschichte verwebt. Eine Geschichte, die Carola nicht mehr losgelassen hat und die sehr zum Nachdenken anregt.

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