Ein Roman wie ein Gemälde.
„Dius“ erzählt die Geschichte einer eher ungleichen Männerfreundschaft. Der namensgebende Dius ist Kunststudent, eigenwillig, eher unregelmäßig in den Vorlesungen zugegen, aber dafür mit einem großen künstlerischen Talent gesegnet. Als er eines Tages bei seinem Dozenten Anton an der Tür klingelt, ist dieser mehr als überrascht. Noch überraschender ist allerdings, dass Dius Anton einlädt – zum gemeinsamen Arbeiten in das alte Dorfhaus seiner Familie. Anton sagt zu – vielleicht löst das Wegfahren aufs Land ja seine Schreibblockade und gleichzeitig auch noch das Problem mit seiner Ehefrau. In der Polderlandschaft kommt Anton zur Ruhe. Nach und nach kommen sich Anton und Dius hier näher, eine Freundschaft entsteht, in der die Liebe zur Kunst, Philosophie und Musik im Zentrum steht. Doch der Zahn der Zeit rüttelt an der Idylle – und alles verändert sich.
Stefan Hertmans erzählt die Geschichte von Anton und Dius mit viel psychologischer Tiefe und Verständnis für die Ecken und Kanten seiner Figuren. Man kann gar nicht anders, als sich mitreißen zu lassen in diese besondere Freundschaft, die wie ihre Figuren ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Dius und Anton sind fasziniert von Malern der Renaissance, hören alte Opern und philosophieren über die Kraft und Bedeutung der Kunst. Auch die Natur um sie herum spielt eine zentrale Rolle – sie ist für beide Zuflucht und ein sicherer Hafen, der aber zunehmend von der Industrialisierung der 80er Jahre bedroht wird. Viele Szenen malt Stefan Hertmans sprachlich so großartig aus, dass man sie vor dem inneren Auge selbst wie Gemälde sieht – ohne aber je in Kitsch zu verfallen. Ein ruhiger, tiefgründiger Roman, den ich wirklich sehr gerne gelesen habe.
