Laurent Petitmangin: Was es braucht in der Nacht

Rezension von Carola Nikschick in der Kategorie Buchtipps

Wie kann man schützen, was man doch eigentlich so liebt?

Fus und Gillou sind 10 und 7 Jahre alt, als ihre Mutter stirbt. Sie wusste immer, was das Beste für die beiden Jungs ist. Jetzt muss sich der Vater allein um alles kümmern. Er arbeitet als Monteur bei der Staatsbahn und will alles dafür tun, dass es seinen Jungs einmal besser geht im Leben, dass sie ihre Chancen nutzen. Die Jahre vergehen und während Gillou seinen Weg findet, entfremdet sich Fus immer mehr. Inzwischen, Anfang 20, schließt er sich einer rechtsextremen Gruppe an, der Front National.
Sein Vater als langjähriger und überzeugter Sozialist ist völlig fassungslos. Schockiert und beschämt.
„Und wieder wusste ich mir nicht anders zu helfen, als herumzubrüllen. Ich war irre wütend, es kam jedoch zu keiner Prügelei, ich war gelähmt, wie in einem Alptraum. Zwanzigmal sah ich Fus’ Kopf, seinen Hals, seinen großen, zitternden Adamsapfel vor mir, zwanzigmal wollte ich ihn packen, ich wusste, wohin ich meine Hände hätte legen, wie ich ihn mit einem kurzen Ruck so fest am T-Shirt hätte packen müssen, dass der Kragen riss…“
Er sieht sich außerstande, mit seinem Sohn Fus ins Gespräch zu kommen.
Die Zeit des Umeinanderseins, des gut gelaunten Herumschubsens ist plötzlich vorbei. Ihre Beziehung versinkt in Sprachlosigkeit und Schweigen.
„Wir hielten Abstand zueinander, berechneten unser Kommen und Gehen…“
Nur über Gillou ist noch ein Austausch möglich. Bis die angespannte Situation in einer Gewalttat eskaliert und sich das Leben für alle dramatisch verändert.

In einer klaren Sprache erzählt uns Laurent Petitmangin in seinem Debütroman „Was es braucht in der Nacht“ von der Radikalisierung eines Sohnes und der Verzweiflung, der Hoffnung und den Ängsten eines Vaters.
Diese Geschichte entwickelt über 156 Seiten einen ganz intensiven Sog, sodass ich das Buch einfach nicht aus der Hand legen konnte und unweigerlich ins Nachdenken gekommen bin.
„Wie fühlt man sich, wenn das eigene Kind in falsche Kreise gerät, die eigenen Werte verrät? Was kann man tun?“

In Frankreich war Laurent Petitmangins Roman ein großer Überraschungserfolg und gehört zu den Lieblingsbüchern der französichen Buchhändler:innen. Ich kann diese Begeisterung nur teilen!

Aus dem Französischen übersetzt von Holger Fock und Sabine Müller.

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