Infernale

Rezension von Olga in der Kategorie Testleser

Als Davy positiv auf das Mördergen Homicidal Tendency Syndrome (HTS) getestet wird, bricht ihre heile Welt zusammen. Sie muss die Schule wechseln, ihre Beziehung scheitert, ihre Freunde fürchten sich vor ihr und ihre Eltern meiden sie. Aber sie kann nicht glauben, dass sie imstande sein soll, einen Menschen zu töten. Doch Verrat und Verstoß zwingen Davy zum Äußersten. Wird sie das werden, für das alle Welt sie hält und vor dem sie sich am meisten fürchtet – eine Mörderin? Das absolute Highlight des Buches ist die Idee dahinter. Eine dystopisch angehauchte Welt, die dennoch sehr realitätstreu bliebt und mit der heutigen Zeit vergleichbar ist. Hinzu kommen Themen wie Ausgrenzung der Minderheiten und Vorurteile über bestimmte Bevölkerungsgruppen. Die Handlung beginnt mit einer übertrieben perfekten, kitschigen Liebesgeschichte, die sich allerdings nach kurzer Zeit in eine ganz andere Richtung entwickelt. Als die Nachricht, die Davys Leben auf den Kopf stellt, kommt, ändert sich ziemlich alles. Ich kann verstehen, dass Davys Welt zusammenbricht, jedoch störten mich ihre Reaktionen auf viele Dinge. Sie sagt immer wieder, dass sie von potentiellen Mördern umgeben wäre, die gefährlich sind und von denen sie sich in Acht nehmen muss. Im nächsten Atemzug beschwert sie sich allerdings, dass die Gesellschaft die Genträger dermaßen abwertend behandelt. Dabei verhält sie sich nicht großartig anders. Das passiert das ganze Buch über und macht die Protagonistin teilweise ziemlich nervig. Hinzu kommt, dass Davy an ihren perfekten Gedankengängen festhält. An einigen Stellen hatte ich das Gefühl, dass es ihr etwas zu leicht gemacht wurde. Oft kam es vor, dass sie sich aus Problemen, Streitigkeiten einfach herausgeredet hat. Dennoch kann man gut mit ihr mitfiebern und ihre Entwicklung mitverfolgen. Ob diese von dem Gen kommt, erfährt man nicht, aber Davy entwickelt sich von einer schüchternen, unsicheren Person zu einer Art Kämpferin – auch wenn sie dabei weiterhin an ihrer Nettigkeit und Perfektion festhält. Zwischen ihr und Sean entwickelt sich nach und nach eine kleine (wenn auch nicht sonderlich überraschende) Liebesgeschichte, bei der es sich um das typische „nettes Mädchen trifft BadBoy“ handelt. Der Kitsch, der am Anfang des Buches vorhanden war, ist im Laufe der Handlung definitiv verschwunden. Zum Gen insgesamt muss ich sagen, dass mir dabei etwas Tiefe gefehlt hat. Obwohl es zwischen den Kapiteln kleine Einschübe zum Thema gibt, hatte ich beim Lesen nicht das Gefühl, zu wissen, um was es sich bei dem Gen genau handelt, was der Auslöser dafür ist. Es ist einfach da. Punkt. Einige Informationen mehr wären an dieser Stelle schön gewesen.

Die Autorin schafft es trotz Davys Perfektion eine gewisse Dramatik aufzubauen. Die Kapitel sind verhältnismäßig kurz, wodurch die Geschichte keinesfalls langatmig ist und ein angenehmes Tempo mit sich bringt. Mit dem Ende bin ich recht zufrieden. Es gibt keinen großartigen Cliffhanger, aber genug offene Fragen, um den zweiten Band lesen zu wollen. Insgesamt hat mir das Buch echt gut gefallen, auch wenn sich einige Parallelen zu anderen Dystopien finden lassen und die Protagonistin einige Kritikpunkte aufweist. Es wirkte im Großen und Ganzen durchdacht, obwohl man als Leser nicht alle Informationen zu diversen Themen bekommt.

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