Auf die sanfte Tour

von Castle Freeman
Rezension von: Thomas B.
Inhalt: 
Castle Freemans kurzer Roman Auf die sanfte Tour entführt den Leser ins ländliche Vermont in dem Sheriff Lucian Wing das beschauliche Leben eines Kleinstadt Polizisten führt. Sein aktueller Fall bringt ein wenig Unruhe mit sich, weil ein Einbruch in ein abgelegenes Luxus-Haus zu Tage fördert, dass das Haus wenig gesprächigen und öffentlichkeitsscheuen Russen gehört.
Während die Aufklärung des Einbruchs um den einzigen Verdächtigen Sean Duke ein wenig träge mäandert, lernen wir die einheimischen Verhältnisse kennen. Sheriff Wing singt ein Loblied auf das ländliche Leben, in dem man Fünfe gerade sein lässt und als Gesetzeshüter, der sich alle zwei Jahre der Wiederwahl stellen muss, eher für den Ausgleich in seinen 17 Gemeinden sorgt als zu viel Übereifer an den Tag zu legen wie sein Deputy Keen. Diese Philosophie hat Wing von seinem Vorgänger und Mentor Wingate gelernt und sich für Geduld und Gelassenheit als oberste Tugenden und gegen eine Karriere bei der Staatspolizei entschieden. Seine Gegenspieler sind sowohl sein ehrgeiziger Deputy Keen als auch der bad boy Sean Duke, genannt Superboy. So entsteht die paradoxe Situation, dass Wing den Übeltäter Sean aus der Schusslinie heraushält und vor dem Zugriff seines ehrgeizigen Deputys schützt, um den sozialen Frieden im County auf seine Art zu fördern. Dass der Autor seinem Helden recht gibt, wird endgültig klar, als Sheriff Wing seinen Nachfolger auf die gleiche Art gewinnt wie er es einst selbst gemacht hat. Austritt aus der State Police und Eintritt als Deputy mit einem Minus für die Kasse und einem Plus für die Zufriedenheit im Leben.
Kritik:
Mich erinnert der anfänglich träge Stil Freemans und die tollen, sehr knappen Dialoge ein wenig an William Faulkner. Als Krimi gelesen ist Auf die sanfte Tour nicht sehr spektakulär, als Sittenbild des Kleinstadtlebens ein angenehmer Wegbegleiter für ein paar Tage Lesevergnügen, das ich gerne weiter empfehle.