Slow Horses

von Mick Herron
Kurz & knapp: Worum geht es?

Ins „Slough House“ werden die Agenten abgeschoben, die der MI5 nicht mehr gebrauchen kann. Sie übernehmen freudlose Fleißarbeiten für den Secret Service und werden dort hämisch „Slow Horses“ genannt. Aber einer von ihnen, River Cartwright, vermutet Verbindungen von einem rechtsorientierten ehemaligen Journalisten zu einem aktuellen, spektakulären Enführungsfall. Ein junger Mann mit pakistanischen Wurzeln soll in 48 Stunden exekutiert werden und bereits seine Gefangenschaft wird gefilmt und im Netz gesendet.
Ehe River sich versieht wird seine Kollegin angeschossen und ein anderer Kollege liegt tot im Slow House. Der Chef der Truppe, Jackson Lamb, vermutet schnell ein abgekartertes Spiel des MI5, das droht, ausser Kontrolle zu geraten. Geschickt arbeitet er daran, dass der Entführte befreit wird und die Slow Horses nicht als die Deppen der Nation abgestraft werden. Aber der MI5 ist ein ausgebuffter Gegner. Wer gewinnt das Taktikspiel unter Agenten?

Ist der Thriller Teil einer Reihe?

Ja. „Slow Horses“ ist der Auftakt zu einer Reihe um Jackson Lamb. In den UK sind bis jetzt bereits sieben Bände erschienen und ich hoffe, dass Diogenes vorhat, diese alle auf Deutsch zu übersetzen und zu veröffentlichen.

Der Hauptprotagonist in einem Satz

Jackson Lamb ist ein übergewichtiger, wortkarger, ehemaliger Agent im Außendienst, der seinen vorigen Chef beim MI5 auf dem Gewissen hat und der nichts von seiner Truppe der Slow Horses hält.

Wie blutig/eklig ist dieser Thriller?

Kaum. Es gibt eine blutige Szene, aber die ist kurz gehalten.

Sterben Tiere oder Kinder?

Nein.

Wie hoch ist der Love-Factor?

Sehr gering. Keiner der Agenten hat eine Liebesbeziehung, aber in der zweiten Hälfte entwickelt sich eine zarte Romanze.

Mein Lieblingssatz aus dem Thriller

„Wir patrouillieren durch die Korridore und schnüffeln, an wem wir wollen. Wir gehen sicher, dass alle das tun, was sie tun sollen, und niemand aus der Reihe tanzt. Falls doch, beißen wir zu. Deswegen nennt man uns Dogs.“

Wie hat mir der Thriller gefallen?

Vieles an der Handlung hat mich begeistert. Die Idee, ausgemusterte Agenten in den Mittelpunkt zu stellen, lässt offen, wie viel sie wirklich können und das erlaubt einige Überraschungen. Bemerkenswert finde ich auch, dass Herron hier bereits 2010 die politischen Gedanken einfließen lässt, die Jahre später zum Brexit-Votum geführt haben. Und die Taktierereien zwischen den Slow Horses und dem MI5 übertrumpfen einander, dass es eine Freude ist. Mir hat das besonders viel Spaß gemacht, weil Herron oft Einzelheiten nur andeutet, aber nicht ausführt. So bringt River Lamb einen Schuhkarton aus seinem Büro, aber der Leser erfährt nicht, was da drin ist. Erst durch die Geschehnisse danach kann ich dann knobeln, wann Lamb sich was ausgedacht und wie er das vorbereitet hat. Das erfordert ordentlich Konzentration beim Lesen, auch durch die schnellen Wechsel von Szenen und Perspektiven innerhalb der Kapitel.

Aber leider gibt es auch einen großen Wermutstropfen und der besteht für mich aus dem sehr langsamen Anfang. Ca. 200 Seiten verwendet Herron darauf, die Akteure im Slough House vorzustellen und obwohl die Protagonisten interessant sind, passiert in der Zeit sehr wenig und ich liebe ja Action. Durch den ersten Teil habe ich mich also nur gearbeitet, weil die Serie in den UK so viele Preise gewonnen hat. Mit dem Beginn des zweiten Teils wurde es dann deutlich spannender. Als Einzelthriller bietet „Slow Horses“ aus meiner Sicht nur begrenzten Lesegenuss. Aber als Auftakt einer Serie ist er so vielversprechend, dass es sich hoffentlich lohnt, sich ausgiebig mit den Charakteren zu beschäftigen. Darauf baue ich und vergebe daher knapp erreichte 4 von möglichen 5 Mimis.

Text: Krimimimi