Schwarzer Engel

von Sandrone Dazieri
Kurz & knapp: Worum geht es?

Ein Zug aus Mailand fährt in Rom ein, doch aus einem Waggon steigt niemand aus. Alle darin sind tot und schnell wird klar, sie haben Cyanid eingeatmet. Der IS bekennt sich zu dem Anschlag und damit ist für die Polizeichefs alles klar. Aber ein Imam hält die beiden jungen Männer aus dem Video für anständig und daher involviert Vicequestore Colomba inoffiziell den hochsensiblen Dante Torre. Der hegt auch Zweifel und findet schnell heraus, wer die beiden jungen Männer sind. Leider können sie nicht mehr viel erzählen, denn beide wurde ermordet. Aber einer von ihnen kann vorher noch sagen, dass er von einem Engel zu seinen Taten animiert wurde.

Die Polizei suspendiert Colomba, aber sie begibt sich mit Torre weiter auf die Spur nach diesem ominösen Engel. Diese Person scheint kein Gesicht zu haben und seit vielen Jahren unerkannt zu morden. Und was sie antreibt, scheint ein großes Unrecht zu sein, das vor vielen Jahren in Russland seinen Ursprung hatte. Zu all den Verquickungen scheint es dazu auch noch mit Torres persönlicher Vergangenheit zusammen zu hängen. Colomba und Torre geraten immer tiefer in einen Strudel dunkler Mächte und sie geraten mehr als ein Mal in Lebensgefahr.

Ist der Thriller Teil einer Reihe?

Ja, dies ist der zweite Band und der erste heißt „In der Finsternis„. Man kann „Schwarzer Engel“ verstehen, ohne den ersten Band gelesen zu haben, aber ich empfehle das trotzdem, vor allem um das spezielle Verhältnis zwischen Torre und Colomba zu verstehen.

Der Hauptprotagonist in einem Satz

Vizequestore Colomba ist 33, musste ein paar Monate aussetzen, ist jetzt seit einem halben Jahr wieder im Dienst und stößt bei ihren Vorgesetzten direkt wieder durch ihre Eigensinnigkeit an. Dante Torre wurde 13 Jahre lang gefoltert und trägt bis heute physische und psychische Wunden davon. Allerdings hat er sich in der Zeit eine ausgesprochen feine Beobachtungsgabe antrainiert, mit der er Colomba immer wieder unterstützt. Die beiden sind einander tief verbunden, reiben sich aber auch regelmäßig aneinander.

Wie blutig/eklig ist dieser Thriller?

Hier geht es öfters zur Sache. Es sterben viele Menschen und Dazieri beschreibt sowohl die Taten an sich als auch wie die Leichen danach aussehen. Also nichts für Zartbesaitete.

Sterben Tiere oder Kinder?

Nein.

Wie hoch ist der Love-Factor?

Es gibt einige Flirtereien. Zwar nur wenige, aber wie ich finde zum Glück, denn bei all den Grausamkeiten tut ein wenig Zuneigung hier und da ganz gut.

Mein Lieblingssatz aus dem Thriller

„Ich denke nicht wie ein Polizist und kann dich nicht überzeugen“, sagte Torre. „Du denkst wie niemand, den ich kenne.“

Wie hat mir der Thriller gefallen?

Mir gefällt das Ermittlerduo einfach richtig gut. Colomba und Torre sind beide spröde und liebenswert zugleich. Sie verbeissen sich in die Suche nach Tätern und Motivationen und dabei kann ich als Leser wunderbar miträtseln. Und ich werde immer wieder dabei überrascht, immer mehr Aspekte tauchen auf und die Fäden laufen alle schön zum Ende zusammen. Zu Ende kann ich ja wie immer nichts verraten, aber klar ist, dass ich nach der letzten Seite jetzt schon ungeduldig bin zu lesen, wie es im dritten Teil weitergeht.

Aber so sehr mich die Komplexität der Handlung und die Ermittler begeistert haben, es gab auch zwei Wermutstropfen. Zum einen sind leider alle anderen Protagonisten recht eindimensional und erfüllen einfach ihren Zweck in der Konstruktion. Zum anderen ist mir das Polizeiumfeld in Rom etwas unerklärlich. Wieso können die drei Mitarbeiter von Colomba so viel für sie ermitteln obwohl sie suspendiert ist? Und warum interessiert die Polizei nicht, wer den Anschlag verübt hat? Sie kündigen eine große Suchaktion an, aber die Umstände, warum beide IS-Bekenner sterben, scheint bei der Polizei niemanden zu jucken.

Da insgesamt aber die Spannung und die Vertracktheit der Handlung für mich überwiegt, vergebe ich 4 von 5 Mimis und wünsche Euch wie immer mindestens das gleiche Vergnügen beim Lesen wie ich es hatte.

Text: Krimimimi