Lost in Fuseta - Spur der Schatten

von Gil Ribeiro
Kurz & knapp: Worum geht es?

Eine sehr zuverlässige Kollegin des Polizeiteams in Fuseta verschwindet und ihre Kollegen vermuten direkt ein Verbrechen. Tatsächlich wird sie ermordet aufgefunden und die Ermittlungen fördern mysteriöse Einzelteile zu Tage. Warum hat sie kurz vorher in einem Antiquariat „Die Pest“ von Albert Camus gekauft und warum hatte sie ihr Handy nicht dabei, das sonst wie festgewachsen immer bei ihr ist? Die spanischen Kommissare machen sich mit viel Herzblut an die Tätersuche und ihr deutscher Kollege Leander Lost steuert mit bestechender Logik immer wieder wertvolle Hinweise bei. Inzwischen ist Lost seit einem halben Jahr in Fuseta und beherrscht nicht nur die die Sprache, sondern kann sogar Kommunikationsfloskeln und Witzchen einstreuen. Die wiederum wissen, dass Lost als Asperger-Autist nicht lügen kann und lenken seine Aufmerksamkeit regelmäßig weg vom Geschehen, wenn sie unkonventionell ermitteln.
Nur Kollege Duarte stört mit seinem dauernden Geltungsdrang ein wenig die Harmonie. Aber der ist zum Glück gut damit beschäftigt, eine angolanische Journalistin zu schützen. Was zuerst fast überflüssig schien, sich allerdings als hochbrisant herausstellt.

Ist der Krimi Teil einer Reihe?

Ja, dies ist nach „Lost in Fuseta“ der zweite Band dieser Krimi-Reihe um den autistischen Kommissar Leander Lost.

Wie blutig/eklig ist dieser Krimi?

So gut wie gar nicht.

Die Hauptermittler in einem Satz

Leander Lost ist ein Asperger-Autist mit einer großen Zugewandtheit zu seinen Mitmenschen. Mit großer, vorurteilsfreier Aufmerksamkeit widmet er sich Tatorten genauso wie Menschen und erreicht damit manchmal mehr als seine Kollegen.

Sterben Tiere oder Kinder?

Nein und nein.

Wie hoch ist der Love-Factor?

Die Liebe darf im Süden Europas natürlich nicht zu kurz kommen und sie spielt allein schon deshalb eine Rolle, weil sich Leander Lost sich für mit der Gründung einer Familie beschäftigt. Und da kommen überraschenderweise gleiche mehrere potentielle Partnerinnen in Frage. Schön, wie er merkt, dass die Auswahl dann doch nicht ausschließlich logisch erfolgen kann.

Meine Lieblingsstelle aus dem Krimi

„Auf der … Seite des Bettes lag … ein Roman, der so abgelegt worden war, dass die untere rechte Ecke des Buchrückens umgeknickt war. Leander war, als könne er den Schmerz des Eselsohrs spüren. Ganz so, als habe man seit Stunden gezwungen, sein Bein extrem weit zu beugen. Leander versicherte sich, das man ihm das Umdrehen eines Buches in seine korrekte Lage auch bei Böswilligkeit nicht als heimliche Durchsuchung auslegen konnte. Also drehte er das Taschenbuch um und empfand große Erleichterung.“

Wie hat mir der Krimi gefallen?

Wie schon im ersten Band verbindet der Autor eine interessante Kriminalhandlung mit vielen Aspekten des menschlichen Miteinanders und der portugiesischen Lebensart. In diesem Band scheint mir der Mix sogar noch ausgewogener als im Ersten. Und wer sagt, dass in einem Krimi nicht auch die schöne, heile Welt einen Platz haben kann? Wie Lost von seinen Kollegen respektiert und gemocht wird, trotz und wegen seiner Eigenheiten, das ist das Idealbild, welches ich mir auch für die Realität wünsche. Diese Leichtigkeit des Miteinanders passt wunderbar zu der südeuropäischen Lebensweise, die sich natürlich auch in kulinarischen Genüssen zeigt.

Am Krimiplot gibt es für mich nichts auszusetzen, auch wenn er für Vielleser wenig Neues bietet. Aber Charme und Sympathieträger bietet dieser Krimi zuhauf. Also eine prima Urlaubslektüre, die Andreas Pietschmann als Hörbuch sehr angenehm vorliest.

Ich stehe ja mehr auf harte Sachen, aber das Ambiente dieses Krimis hat mir gut gefallen und daher vergebe ich wie schon für den ersten Band 3 von 5 Mimis.

Text: Krimimimi