Liebes Kind

von Romy Hausmann
Kurz & knapp: Worum geht es?

Eine Frau wird entführt und von einem Mann in einer Hütte im Wald gefangen gehalten. Der Mann nennt sie Lena, kettet sie nachts an ein Rohr und lässt sie nie raus. Sie soll seine Frau und Mutter seiner zwei Kinder sein und wann immer sie nicht pariert, bestraft er sie. Nach vier Monaten gelingt ihr die Flucht aus der Hütte. Dabei wird sie von einem Auto angefahren und findet sich im Krankenhaus wieder, aber sie ist frei. Die beiden Kinder kommen in eine psychiatrische Klinik und alle drei verarbeiten ihre neue Situation nur sehr langsam. Es stellt sich heraus, dass Lena eine Frau ist oder war, die mit 23 Jahren entführt wurde und seit nunmehr 14 Jahren spurlos verschwunden ist. Die Polizei kann beweisen, dass Lena in der Hütte war, aber sie findet weder ihre Leiche noch ist ihr die DNA des Täters bekannt. Zudem pfuscht Lenas Vater der Polizei immer wieder ins Handwerk, weil er meint, die strengen sich nicht ausreichend an. Er setzt durch, seine Enkelin für ein paar Tage zu sich nehmen zu dürfen, aber das erweist sich als fataler Fehler.

Ist der Thriller Teil einer Reihe?

Nein.

Die Hauptprotagonisten in einem Satz

Die Frau, die zu Lena gemacht werden soll, ist emotional schwer geschädigt von ihrer Gefangenschaft. Sie hat kaum Freunde, meidet die Polizei genauso wie Psychologen und verzieht sich so tief in ihr Schneckenhaus, dass sie paranoid wirkt.

Wie blutig/eklig ist dieser Thriller?

Wenig blutig, aber er bringt das Blut von uns Lesern in Wallung.

Sterben Tiere oder Kinder?

tja

Wie hoch ist der Love-Factor?

Gering.

Mein Lieblingssatz aus dem Thriller

„Die Dinge sind außer Kontrolle geraten. Sagt man das nicht so? Die Dinge sind ganz furchtbar außer Kontrolle geraten.“

Wie hat mir der Thriller gefallen?

Ich habe selten so ein fesselndes Thriller-Debüt gelesen – oder besser gesagt gehört, denn ich habe die ungekürzte Hörbuch-Version verschlungen. Die punktet dadurch, dass die unterschiedlichen Perspektiven der Kapitel von unterschiedlichen SprecherInnen verkörpert werden, die allesamt großartig die Atmosphäre transportieren und Spannung erzeugen. Und kein Wunder, dass Sebastian Fitzek von „Liebes Kind“ begeistert ist. Romy Hausmann lässt ihre Figuren abwechselnd erzählen, spielt dabei mit uns Lesern Katz uns Maus, führt uns immer wieder auf Glatteis und schlägt dann in einem Herzschlagfinale voll zu. Sie schickt all ihre Protagonisten in solche Extremsituationen, dass sie hoch emotional reagieren. Und dadurch, dass sie selbst erzählen, wissen wir Leser nie, inwiefern ihre Wahrnehmung glaubhaft oder verzerrt ist. Das ist sehr geschickt konstruiert und lässt uns bis zur letzten Minute nicht los. Mich stört nur, dass aus meiner Sicht der ermittelnde Polizist sich ab und an umprofessionell verhält. Der sollte als einziger nicht emotional agieren und auch seine lange Freundschaft zu Lenas Vater macht dies für mich nur teilweise glaubhaft. Daher vergebe ich insgesamt 4 von 5 möglichen Mimis und warne Euch, diesen Thriller nicht zu hören oder lesen, wenn Ihr im Dunkeln allein seid und es schlimmstenfalls auch noch irgendwo knackt.

Text: Krimimimi