Leuchtfeuer

von Benjamin Cors
Kurz & knapp: Worum geht es?

Nicolas Guerlain würde gern seine Freundin vor dem Gefängnis bewahren. Die Polizistin Julie wird beschuldigt, bei einer Drogenrazzia eine Süchtige vorsätzlich erschossen zu haben. Julie sagt, es war Notwehr. Aber ihr Kollege sagt unter Eid, sie wurden nicht bedroht. Nicolas war nicht dabei, aber er sucht einen Dealer, der sich rühmt, die Szene versteckt beobachtet zu haben. Gemeinsam mit seinem Freund Luc Roussel finden sie den Dealer, jagen ihn durch Paris, treiben ihn in die Enge. Der Dealer sagt, er kann nicht die Wahrheit sagen und stürzt sich vom Dach. Halluziniert der Dealer oder ist wirklich was faul?

Roussel muss zurück in die Normandie, wo er das Kommissariat von Deauville leitet. In einem kleinen Dorf in der Nähe wurde eine männliche Wasserleiche gefunden. Die Dorfbewohner sind verschlossen, verängstigt, sprechen von einem „hungrigen Fluss“ und von einem Teufel, der zurückgekommen ist, um Rache zu nehmen. Der Dorfrat bittet Nicolas um Schutz, weil er einer der besten Personenschützer sein soll. Immerhin beschützt er den Staatspräsidenten. Und weil er den gerade vor Schaden bewahrt hat, bekommt er ein paar Tage frei. Bis zum nächsten Prozesstag von Julie fährt Nicolas also nach Vieux-Port und versucht, die Gefahr für die Dorfbewohner zu verstehen und zu bannen. Gut, dass er dabei mit seinem Freund Roussel Hand in Hand arbeitet. Aber im Dorf herrscht Unruhe. Sie waren nur 48 Einwohner, einer ist tot, einer verschwunden und jederzeit erwarten alle die nächste Hiobsbotschaft.

Ist der Krimi Teil einer Reihe?

Ja, dies ist der vierte Band um Nicolas Guerlain. Die ersten drei heißen „Strandgut„, „Küstenstrich“ und „Gezeitenspiel„.

Wie blutig/eklig ist dieser Krimi?

Minimal. Die Toten werden bereits ermordet gefunden und bis auf die Vorstellung, wie Wasserleichen aussehen, gibt es auch keinen Ekelfaktor.

Der Hauptermittler in einem Satz

Nicolas Guerlain ist um die 30 Jahre alt und mit einer speziellen Gabe ausgestattet: Wenn die Lage unübersichtlich wird, nimmt er wie in Zeitlupe jedes Detail wahr, verknüpft die Informationen rasend schnell und handelt vor jedem anderen.

Sterben Tiere oder Kinder?

Nein.

Wie hoch ist der Love-Factor?

Die Liebe spielt mit, aber nicht allzu stark. Nicolas will nichts mehr als seiner geliebte Freundin helfen, Roussel liebt eine Kollegin, ist aber zu bärbeißig um dies zuzugeben und auch im Dorf gibt es Paare wie auch verschmähte Liebe. Aber das ist alles Teil des normalen Lebens und nicht im Kern der Geschichte.

Mein Lieblingssatz aus dem Krimi

„Denk daran, Vater, denk an das, was ich dir sage. Nur du, alleine in der Dunkelheit. Und alle Leuchtfeuer werden erloschen sein.“

Was hat mir am Krimi gefallen?

Obwohl es bereits der vierte Band ist, konnte ich der Handlung gut folgen. Alles, was aus den vorigen Bänden zum Verständnis wichtig ist, hat der Autor elegant einfließen lassen. Die Orte gibt es tatsächlich und als ich mir Bilder von Vieux-Port angeschaut habe, konnte ich mir die Handlung dort sehr gut vorstellen. Auch die Figuren scheinen mir wie aus dem Leben gegriffen. Nicolas ist kein einsamer, überzeichneter Held, sondern ein aufmerksamer Mann, der allerdings eine übermenschliche Physis hat. Wenn ich bereits krankenhausreif im Koma liegen würde, sprintet er noch durch den Wald. Aber insgesamt passt dieser aussterbende Ort zu der Angst vor der Rache eines ehemaligen Bewohners und der Sprachlosigkeit zu den Gründen dafür. Dies ist kein sonniger Urlaubskrimi, sondern düstere, windige Herbstunterhaltung bei deren Lektüre man froh ist, am heimeligen Kamin zu sitzen.

Wann und wo findet die Lesung statt?

Am 12. Oktober 2018 gab es wie jedes Jahr die Kriminacht während der Frankfurter Buchmesse. Ab 19h habe ich über drei Stunden lang im Haus des Buches acht Autoren samt ihrer aktuellen Krimis vorgestellt. Für jeden hatten wir 20min Zeit und bei sommerlichen Temperaturen draußen sind wir mit diesem Krimi in die stürmische Normandie gereist.

Text: Krimimimi