Kidnapping Paul

von Gisela Getty, Jutta Winkelmann
Vor 45 Jahren wurde Paul Getty entführt und erst nachdem ihm ein Ohr abgeschlagen wurden, hat seine Familie Lösegeld gezahlt, so dass Paul nach 5 Monaten wieder frei kam. An diese Geschichte erinnert der Film „Alles Geld der Welt“, der am 15.02. im Kino angelaufen ist. Und parallel dazu erscheint das Buch „Kidnapping Paul. Die Geschichte einer Entführung“ von Gisela Getty (seiner späteren Ehefrau) und ihrer Schwester Jutta Winkelmann.

Kurz & knapp: Worum geht es?

Paul Getty will sich den Konventionen seiner Familie nicht beugen und geht nach Rom. Hier verkehren in den Siebzigern viele Künstler und unkonventionelle Freundschaften entstehen ebenso schnell wie sie vergehen. Der Lieblingsenkel des Öl-Magnaten gibt sich dem Dolce Vita hin und lässt sich treiben. Aber er fühlt sich auch stark angezogen von den harten Jungs der Malavita, ohne Gefahren darin zu sehen. Im Juli 1973 verschwindet er plötzlich und nach ein paar Tagen wird klar, dass er entführt wurde. Stecken seine ehemaligen Kumpels dahinter? Wollte er vielleicht sogar entführt werden, um an das Geld seiner Familie zu kommen?
Auf diese Fragen gibt der Roman keine eindeutigen Antworten. Vielmehr beschreibt er das Umfeld von Paul und den Zwillingen Gisela und Jutta, mit denen Paul in Italien viel Zeit verbringt. Von einer ménage à trois wird gemunkelt, Fotos der drei erscheinen nach Pauls Entführung auf den Titelseiten vieler Magazine. Dieses Dreiergestirn lädt zu vielen Spekulationen ein. Und wer sind Gisela und Jutta? Zwei junge, hübsche Frauen aus Kassel, die sich von Liebe tragen lassen und die Welt verschönern wollen.

Was ist daran besonders?

Wer schon immer wissen wollte, sie es sich als Blumenmädchen in der Hippiezeit lebte, der bekommt hier ein buntes Bild davon. Gisela und Jutta probieren sich durch etliche Drogen, lernen immer wieder neue Freunde kennen und verlieben sich mitunter. Bei alldem behalten sie aber ihre unschuldige Ausstrahlung bei, die viele Regisseure und Fotografen fasziniert. Sie sind die It-Girls der Siebziger, schlagen sich ohne eigenes Geld durch und das Wichtigste, was sie haben, ist einander. Die Zwillinge verstehen sich blind und können sich zu 100% aufeinander verlassen. Dieser Roman lässt seine Leser wie Voyeure zuschauen, wie die jungen Frauen durchs Leben schwirren.

Wie hat mir der Roman gefallen?

Ich hatte mehr Informationen über die Entführung von Paul Getty erwartet und war ein wenig enttäuscht, wie wenig der Roman sich damit beschäftigt. Aber dann hab ich mich auf die Lebenserzählungen der Zwillinge eingelassen, auf ihre unzähligen Flirtereien und Überlebenskünste und bin positiv überrascht worden von der Lebendigkeit der Erzählungen. Und bei aller Begeisterung der Autorinnen über ihr früheres Leben schildern sie genauso die Schwierigkeiten, in die es sie gebracht hat.

Text: Krimimimi