Feinde

von Susanne Saygin
Kurz & knapp: Worum geht es?

Die Kölner Polizisten Can und Simone stehen vor der Herkulesaufgabe, die Identitäten zweier ermordeter Männer zu klären. Anscheinend waren sie illegale Bauarbeiter, vermutlich Roma, aus Bulgarien. Aber niemand will die beiden gekannt haben und es interessiert auch außer den zwei Polizisten niemanden. Als sich dann doch endlich ein verängstigter Bauarbeiter meldet, stößt die Polizei nach und nach immer tiefer in ein Netz aus Korruption, Betrug und Menschenhandel. Der Staatsanwalt bremst die beiden allerdings aus, weil der verdächtigte Strippenzieher ein Freund von ihm ist.

Aber Can lässt sich nicht stoppen. Offiziell krank geschrieben ermittelt er im Milieu und angetrieben auch von persönlichen Motiven begibt er sich dabei an den Rand der Legalität. Er geht sogar so weit, sich als Illegaler zu tarnen, um in Bulgarien zu verstehen, wo und wie das System illegaler Abzocke beginnt. Ein heißer Ritt für ihn mit hohem Risiko.

Ist der Thriller Teil einer Reihe?

Nein.

Der Hauptprotagonist in einem Satz

Can Arat ist ein Deutsch-Türke mit leichtem Hippie-Gen, ausgeprägtem Gerechtigkeitsbewusstsein und noch stärkerem Eigensinn. Ein sehr loyaler, netter Kerl in meinen Augen, mit einem Hang zum Extremen. Und körperlich großen Nehmerqualitäten.

Wie blutig/eklig ist dieser Thriller?

Das ist kein Thriller für Zimperliche, auch wenn es nur wenige blutige Szenen gibt.

Sterben Tiere oder Kinder?

Nein.

Wie hoch ist der Love-Factor?

Can und Isa verbindet eine ganz eigene Art der Liebe. Simone und ihre Freundin wollen ein Kind adoptieren. Und nicht zuletzt kommen viele Bulgaren nach Deutschland, um das Leben ihrer Lieben daheim finanziell zu verbessern.

Mein Lieblingssatz aus dem Thriller

„Rumänien und Bulgarien sind die wichtigsten europäischen Drehscheiben für Drogen- und Menschenhandel. Das sind solide Wachstumsbranchen, und Wachstum ist das, was wir für ein zukunftsfähiges Europa brauchen.“

Welche Themen kommen im Krimi vor?

Die Autorin wirft Licht auf so viele gesellschaftliche Missstände, dass es kaum auszuhalten ist. Die jahrhundertelange Leidensgeschichte der Roma kommt genauso zur Sprache wie die mühevolle Arbeit von Sozialarbeitern, die oft nur das Elend verwalten können. Auch die Zigeunerzentrale findet Erwähnung und unterbesetzte Polizeiwachen. Mit welchen Versprechungen Menschen nach Deutschland gelockt werden und in welche Zwangslagen sie dann geraten können, ist ein großes Thema. Nicht zuletzt geht es um die Doppelmoral anscheinend honoriger, wohlbekannter Bürger, die ihr Vermögen auf dem Rücken anderer erwerben und wie viele dabei weggucken.

Was hat mir am Thriller gefallen?

In diesem Thriller ist ständig was los. Auch wenn die Polizei gegen Wände läuft und die Ermittlungen stocken, tut sich eine Tür auf, hinter der ethnische oder soziale Aspekte stecken. Es gibt unglaublich viele Details und alle fügen sich im Lauf der Handlung zu einem Bild, in dem alles zusammenpasst. Dass die Autorin an diesem Thriller länger als fünf Jahre gearbeitet hat, glaube ich sofort. Wer aufmerksam liest, wird mit einer dichten Handlung belohnt und bekommt dabei Kölner Lokalkolorit en passant mitgeliefert.

Text: Krimimimi