Codename Eisvogel »The Kingfisher Secret«

von Anonymous
Kurz & knapp: Worum geht es?

1968 zerplatzen Elenas Träume, dass sie eines Tages eine der weltbesten Turnerinnen wird. Statt dessen stimmen ihre Eltern zu, dass sie an einem Spezialprogramm in Prag teilnimmt. Nach und nach versteht Elena, dass sie sowohl vom sowjetischen als auch vom tschechischen Geheimdienst zur Agentin ausgebildet wird. Sie übersteht als eine der wenigen auch die härtesten Prüfungen und soll im Westen einen politisch einflussreichen Mann heiraten.
2016 besucht die amerikanische Journalistin Grace Elliot in Prag die erfolgreiche Unternehmerin Elena Craig. Die beiden wollen neue Themen absprechen, die Grace als wöchentliche Kolumne „Frag Elena“ in einer Boulevardzeitschrift veröffentlicht. Elena ist sehr populär und darüber hinaus eine enge Vertraute ihres Ex-Manns, der gerade für das amerikanische Präsidentenamt kandidiert. Grace arbeitet schon länger vertrauensvoll mit Elena zusammen, aber als sie Elena Fragen über ihre Vergangenheit stellt, schmeißt diese Grace raus. Nun ist Grace erst recht neugierig geworden und versucht herauszufinden, wie Elena in den Jahren des kalten Kriegs aus Tschechien ausreisen konnte. Alle damaligen Dokumente von ihr sind verschwunden, aber Grace macht den früheren Turntrainer von Elena ausfindig. Als dieser Trainer kurze Zeit später in seinem Haus verbrennt, versteht Grace, in welche Gefahr sie nicht nur sich selbst bringt, sondern auch alle, mit denen sie in Kontakt ist.
Aber Grace wollte schon als junges Mädchen eine investigative Journalistin sein und kann jetzt nicht lockerlassen.

Ist der Thriller Teil einer Reihe?

Nein.

Der Hauptprotagonist in einem Satz

Grace ist um die 40, neugierig, mutig und nach 20 Jahren bei einer Boulevardzeitschrift ganz und gar nicht vorbereitet, in der Welt von Spionen zu bestehen.

Wie blutig/eklig ist dieser Thriller?

Die Hauptfokus liegt auf psychologischer Spannung. Ein paar brutale Szenen sind dabei, aber die sind nicht ausufernd blutig beschrieben.

Sterben Tiere oder Kinder?

Nein.

Wie hoch ist der Love-Factor?

Gering. Elena liebt ihren Führungsoffizier, aber das ist nicht sehr romantisch. Und Grace verliebt sich vorsichtig, aber das geht nicht sehr weit.

Mein Lieblingssatz aus dem Thriller

„Elena hatte sich nie als Agentin oder Spionin betrachtet. Schließlich war es nicht ihre Aufgabe, irgendwen auszuliefern oder zu kompromittieren. Es gab keine Schlägereien oder Schießereien. Sie hatte auch noch nie Gift angemischt. Verglichen mit anderen Frauen aus ihren gesellschaftlichen Kreisen in Manhattan war ihr Leben langweilig.“

Wie hat mir der Thriller gefallen?

Die Handlung ist an sich interessant, auch weil sie in so vielen Aspekten an die Realität angelehnt ist. Aber auf mich wirkte sie nicht wie ein Fluss, in dem sich alles zusammenfügt, sondern wie ein Puzzle, das bemüht Stück für Stück ans Licht gebracht wird. Das hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass keine der Figuren mich berührt hat. Sie haben alle ihre Rolle erfüllt, aber keine von ihnen hat mein Interesse oder meine Empathie wecken können. Und das ist schade, denn ansonsten hätte dieser Thriller mich sehr begeistern können. Die vielen Anlehnungen an Ivana und Donald Trump machen so eine Geschichte aktuell für mich interessant. Und auch dass der Autor anonym bleibt, um seine Quelle für die Idee dieses Romans zu schützen, gibt dem Roman etwas Geheimnisvolles. Bei der Ausschmückung dieser Grundidee hat der Autor auf Bekanntes zurückgegriffen, was man entweder von Trump schon weiß oder zu wissen glaubt. Und auch die Zusammenführung der Zeitebenen von den 70er Jahren zum Heute ist gut gelungen.

So bietet dieser Thriller einen angenehmen Schauer beim Lesen, aber er hinterlässt bei mir keinen bleibenden Eindruck und daher vergebe ich 3 von möglichen 5 Mimis.

Text: Krimimimi