Bösland

von Bernhard Aichner
Kurz & knapp: Worum geht es?

Ben ist Mitte 40, ein fleißiger, unauffälliger Mann, der jeden Tag in seinem Fotolabor arbeitet. Doch ein Foto katapultiert ihn zurück in seine Kindheit. Zu seinem prügelnden Vater im Bösland und seiner Mutter, die ihn nie verteidigte. Zu seinen wenigen Schulfreunden Kux und Matilda. Wie Matilda tot und blutig in seinen Armen lag und Kux ihn die langen Jahre in der Psychiatrie nie besucht hat. Er beschließt, sich seiner Vergangenheit zu stellen und fährt erst in sein Heimatdorf zurück und besucht dann Kux.

Doch Kux gibt ihm viele Rätsel auf. Inzwischen ist er ein reicher Geschäftsmann, mit einer thailändischen Frau, der sich Ben gegenüber abwechselnd abweisend und dann wieder großzügig verhält, Vergeltung übt. All das ist für Ben eine neue, fremde Welt. Er hat sein Geschäft vorübergehend geschlossen und bleibt ein paar Wochen bei Kux. Aber kann diese alte Freundschaft wirklich wiederbelebt werden nach all den Belastungen? Als dann Bens Therapeutin ermordet wird, fällt der Verdacht auf ihn. Ist er schuldig? Wird Kux dieses Mal zu ihm stehen?

Ist der Thriller Teil einer Reihe?

Nein.

Der Hauptprotagonist in einem Satz

Ben ist ein etwas naiver, gutmeinender Mann, der tief von den Geschehnissen seiner Kindheit und Jugend geprägt ist und viele unausgesprochene Narben mit sich trägt.

Wie blutig/eklig ist dieser Thriller?

Es gibt ein paar Morde und die sind naturgemäß blutig, aber sie werden nicht blutrünstig geschildert, denn der Fokus liegt klar auf den phychologischen Wendungen und Finessen.

Sterben Tiere oder Kinder?

Eine Jugendliche stirbt.

Wie hoch ist der Love-Factor?

Der ist ziemlich präsent, denn Ben träumt von der Liebe und sucht nach ihr. Damals war er in Matilda verliebt, aber mehr kann ich nicht schreiben, ohne zu viel zu verraten.

Mein Lieblingssatz aus dem Thriller

„Kux gab mir trotz allem das Gefühl, dass er sich um mich kümmerte, dass er immer noch mein Freund war. Es war das Gute in ihm, das mich blendete, diese Seite, die ich immer schon an ihm gemocht hatte, diese Fähigkeit, Menschen zu begeistern, sie in seinen Bann zu ziehen.“

Was hat mir am Thriller gefallen?

Diesen Psychothriller habe ich nicht aus der Hand legen können. Er spitzt die Fragen, ob Gut oder Böse gewinnt und wie wichtig dabei Raffinesse und Glück sind, immer weiter zu, bis ich fast geplatzt bin. Mit jedem der kurzen Kapitel steigt die Spannung und durch die vielen Dialoge habe ich mich gefühlt wie Bens Schatten. Ich habe mit ihm gehofft und gebangt und mir doch oft genug die Frage gestellt, wann und wie er dem Ganzen entkommen kann. Stößt eher Naivität oder Bosheit an ihre Grenzen? Und wie immer geizt Aichner nicht mit Toten, was die Spannung bis zum Ende anheizt.

Text: Krimimimi